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Einige Ratschläge zur Erkenntnis im Bereich des Politischen

Die Schwierigkeit

Die Wahrheit im Bereich des Politischen herauszufinden, ist oft sehr schwer oder praktisch unmöglich. Es ist oft sehr schwer, die Wahrheit darüber zu erkennen, wer für Ereignis X verantwortlich war, was die Absichten des Politiker X sind, ob Politiker X auf Druck von Y gehandelt hat, ob Politiker X aufgrund seiner Überzeugung Y getan hat oder weil der Meinungsdruck in der Partei so stark ist und er anders seiner Karriere geschadet hätte, ob hinter X eine Verschwörung Y steht, ob der Bericht der Zeitung X über Y vertrauenwürdig und wahr ist, ob die Partei X wirklich, wie sie behauptet, Y beabsichtigt, usw. Besonders schwierig ist das, wenn es um Handlungen von Menschen geht oder wenn man auf das Zeugnis von Menschen angewiesen ist. Der Grund ist, daß sich Menschen nicht nur irren können, sondern daß sie auch noch lügen und täuschen können und viele mögliche Motive dafür haben, es auch zu tun.

Erschwerend kommen noch unsere irrationalen Neigungen des Denkens hinzu wie Wunschdenken, Schwarzsehen, Schönreden und Nichtwahrhabenwollen.

Irrationale Neigungen im Erkennenden

Um politische Sachverhalte richtig erkennen zu können, müssen wir zuerst irrationale Neigungen in uns ausschalten. Einige Arten solcher Neigungen:

Von all diesen irrationalen Neigungen können wir uns frei machen, indem wir sie uns bewußt machen und dagegen angehen, d.h. unsere Meinung nicht mehr nach unserem Gefühl, sondern nur noch nach wirklichen Indizien richten. Voraussetzung dafür ist ein starker Wunsch, die Wahrheit zu erkennen. Wollen Sie wirklich erkennen, was der Fall ist, auch wenn diese Erkenntnis unangenehm ist? Dann müssen Sie sich anstrengen und gegen Ihre irrationalen Neigungen angehen.

Um gegen irrationale Denkneigungen anzugehen, müssen Sie zweierlei tun. Erstens: Suchen Sie stets bewußt und genau die Indizien und richten Sie sich nur nach diesen. Wenn Sie nach dem Prüfen der Indizien eine in eine andere Richtung gehende Denkneigung verspüren, machen Sie sich bewußt, daß das eine irrationale Denkneigung ist.
Zweitens: Prüfen Sie sich, ob Sie irrationale Denkneigungen haben. Oft verstecken sie sich hinter Pseudorechtfertigungen wie "Ich bin ein Optimist!".

Besonders verbreitet ist die Neigung, Böses nicht wahrhaben zu wollen. Prüfen sie sich:

Wenn ja, dann regt sich in Ihnen die Neigung zum Nichtwahrhabenwollen von Schlechtem oder Bösem. Das ist das sogenannte "Gutmenschentum". Dem Nichtwahrhaben wollen folgt das Schönreden. Diese Neigung kommt daher, daß es schöner und angenehmer wäre, wenn es weniger Böses gäbe. Es wäre schöner, wenn alle Menschen guten Willens wären und nur das Beste wollten; wenn Menschen nicht lügten; wenn die Medien alles meist so darstellten, wie sie es für wahr halten; wenn man die Absichten von Politikern an ihren Worten erkennen könnte; wenn die besten Leute in den Parteien Karriere machen könnten, usw. Weil das angenehmer wäre, wehren wir uns oft gegen die Erkenntnis, daß es nicht so ist; wir werden weich; und wir sind nachlässig darin, die Wahrheit zu suchen.

Hinzu kommt, daß wir, wenn diejenigen, die die wir "zu scharf" finden, Recht hätten, zugeben müßten, daß wir uns bisher geirrt haben. Es ist hart, seine gute Meinung von seinem Vaterland oder von der Partei, die man Jahrzehnte lang gewählt hat, aufzugeben.

Häufig kommt es vor, daß Menschen diejenigen, welche ihnen weltanschaulich nahe stehen und welche ihre weltanschaulichen Gegner klar kritisieren, härter kritisieren als ihre Gegner. Daher: Wenn Sie finden, daß jemand aus Ihrem eigenen weltaschaulichen Lager "zu scharf" ist, dann beachten sie zweierlei:
1. Prüfen Sie, ob der andere wirklich zu scharf ist oder ob nicht vielmehr Sie zu weich oder zu feige sind.
2. Greifen Sie jenen nicht schärfer an als Ihre eigentlichen Gegner.

Weitere erkenntnisverhindernde Gedanken

Weitere erkenntnisverhindernde Gedanken und Gefühle:

Diese Gedanken sind nicht wahrheitsfördernd, die sie teffen manchmal zu und manchmal nicht. Manchmal ist eine schwarz-weiße Aussage wahr, manchmal nicht. Es ist irrational zu glauben, daß schwarz-weiße Aussagen immer oder meist falsch seien. Warum sollen sie nicht manchmal zutreffen? Und sind nicht diejenigen, die das Schwarz-Weiß-Denkverbot verbreiten, nicht inkonsequent, weil sie selbst in einigen Fragen eine schwarz-weiße Auffassung vertreten?

Auch der Gedanke, daß man nicht "extrem" sein solle, ist unbegründet. Ob extrem richtig oder falsch, gut oder schlecht ist, hängt davon ab in welcher Richtung man extrem ist. Wenn man extrem fürsorglich ist, ist das etwas Gutes. Es ist etwas Gutes, wenn man alle Zeit und Mittel, die man aufbringen kann, verwendet, um anderen zu helfen. Ebenso ist es gut, extrem ehrlich zu sein. Sicher gibt es Fragen, bei denen die Wahrheit in der Mitte liegt oder bei denen das beste Verhalten nicht einem bestimmten Prinzip ins "Extrem" folgt, sondern zwischen mehreren Gütern abwägt. Aber das hängt von dem jeweiligen Fall ab. Keinesfalls ist es so, daß der "Extreme" immer verkehrt und der Mittelmäßige immer richtig liegt. Vielmehr ist oft der Gedanke, nicht "extrem" sein zu wollen, eine faule Ausrede für Trägheit, Feigheit oder Inkonsequenz.

Oft wird das Wort "extrem" auf politische Gruppen angewandt. Manchmal oder oft sind die so bezeichneten Gruppen tatsächlich kritisierenswert. Aber nicht weil sie "extrem" sind, sondern wegen des bestimmten Inhalts ihrer Lehre oder wegen ihrer Taten. Der Vorwurf des "Extremismus" ist völlig vage. Es ist sogar ganz offen, ob man bestimmte Lehren oder bestimmte Taten verurteilt. Wirft man jemandem vor, "linksextrem" oder "rechtsextrem" zu sein, muß man genau sagen, welche Lehre oder welche Tat man verurteilt. Wenn man Gewalt verurteilen will, muß man das sagen. Man muß sagen: "Die sind böse, weil sie gewalttätig sind; zum Beispiel haben sie gestern in Berlin ein Auto angezündet." Wenn man nicht bestimmte Taten, sondern bestimmte Lehren verurteilt, muß man klarstellen, welche man meint. Oft wird das Wort "extrem" verwendet, damit man einen Vorwurf erheben kann, ohne seinen Vorwurf durch Angabe des Grundes rechtfertigen zu müssen.

Ebenfalls falsch ist der Gedanke "Verschwörungstheorien darf man nicht glauben", der zu der irrationalen Einstellung "Ich glaube nicht an Verschwörungstheorien" führt. Sie ist verkehrt, weil sie die Existenz von Verschwörungen unabhängig von der Indizienlage ausschließt. Verschwörungen sind offensichtlich möglich und finden manchmal statt. Manchmal sind Ereignisse, die man für Zufall oder ungeplant halten könnte, in Wirklichkeit das Ergebnis einer geheimen Aktion einer Gruppe von Menschen. Man kann Gründe für die Annahme haben, daß in einem bestimmten Fall keine Verschwörung vorliegt, aber es ist unbegründet und irrational zu sagen "Ich glaube nicht an Verschwörungstheorien".

Der Gedanke "Man darf die Dinge nicht negativ sehen" hat einen wahren Kern. Es ist eine geistige Tugend, in jeder Situation die guten Dinge zu entdecken und sich an ihnen zu freuen. Aber es ist keine geistige Tugend, sondern Feigheit und Weichheit, eine Beschreibung einer Lage deshalb abzulehnen, weil sie "negativ" ist. Ob eine negative Beschreibung einer Lage richtig ist, hängt allein von den Tatsachen ab. Der rationale Mensch läßt sich in der Beurteilung einer Lage allein von den Indizien und nicht von Gefühlen wie "Man darf die Dinge nicht negativ sehen" leiten.

Nachdem wir nun einige mögliche irrationale Neigungen, welche die Erkenntnis behindern können, angesehen haben, können wir uns nun der richtigen Auswertung der Indizien zuwenden.

Wie erkennt man die Absichten eines Politikers oder einer Partei?

Wie findet man heraus, was die Absichten und Motive eines bestimmten Politikers oder einer bestimmten Partei sind? Die falsche Methode ist, einfach ihren Aussagen zu glauben. Es kann zwar sein, daß ihre Aussagen ihren Absichten und Motiven entsprechen, aber das ist wirklich nur eine Möglichkeit und ein schwaches Indiz. Es ist bei Politikern ein schwächeres Indiz als bei anderen Aussagen, denn es gibt viele Motive für Politiker, oft nicht die wahren Absichten und Motive offenzulegen. Das einzige verläßliche Indiz sind die Taten. Wenn beispielsweise die Bundesfamilienministerin ein "Elterngeld" schafft, das Frauen einen Anreiz gibt, ihren Kinderwunsch hinauszuzögern und erwerbstätig zu sein, dann ist das die Absicht hinter diesem Elterngeld. (Wählen Sie ein für Sie relevantes Beispiel.) Die Annahme, daß die Absicht hinter dem Elterngeld trotz des Anreizes zum Hinauszögern des Kinderwunsches die Erhöhung der Geburtenrate ist, ist reines Wunschdenken und entspringt der oben genannten Irrationalität des Nichtwahrhabenwollens. Die Folgen des Elterngeldes sind absehbar: Frauen werden zur Erwerbstätigkeit gedrängt und die Kinderzahl wird verringert. Deshalb ist klar, daß das auch die Absicht des Elterngeldes ist. Wer glaubt, daß die CDU die Familien fördern wolle, muß rationalerweise diesen Glauben angesichts der Tatsachen aufgeben. Entweder er ist schon lange nicht mehr wahr oder er ist seit kurzem nicht mehr wahr. Jedenfalls ist er nicht wahr.

Ein Fehler von Menschen mit gutmenschlicher Neigung ist, stets nur gute Absichten anzunehmen. Ob gute oder böse Absichten vorliegen kann nur empirisch, durch Beurteilung der Taten festgestellt werden. Man wird nicht dadurch ein besserer Mensch, daß man von jedem nur das Beste annimmt und womöglich noch auf die schimpft, die sagen, daß jemand böse ist. Nicht jede schlechte Tat ist ein Mißverständnis. Die Menschen haben den Hl. Stephanus nicht gesteinigt (Apostelgeschichte 7), weil sie ihn nicht richtig verstanden haben, sondern weil sie ihn verstanden haben.

Außerdem gibt es das Phänomen, daß ein einzelner Politiker einen bestimmten guten Wunsch hat, daß die Partei oder sonstige Strukturen die Verwirklichung dieses Wunsches aber verhindern. Wenn ein Politiker gute Dinge sagt, kann es daher dennoch sein, daß diese Dinge keine Aussicht auf Verwirklichung haben. Wenn ein CDU-Politiker sagt, daß er etwas gegen die ungerecht hohe Besteuerung kinderreicher Familien tun wolle, kann es schon sein, daß er das will. Aber angesichts der tatsächlichen Politik der CDU ist es klar, daß die Partei diesen Politiker dies zwar sagen läßt, damit er Stammwähler wieder zum Wählen der CDU bewegt, aber die Partei oder die Strukturen werden dafür sorgen, daß die von diesem Politiker geäußerten Wünsche nicht verwirklicht werden.

Fazit: Die Absichten eines Politikers oder einer Partei erkennt man nicht an den Aussagen, sondern allein an den Taten.

Wie erkennt man, wer für ein Ereignis oder eine Tat verantwortlich ist?

Die Antwort ist klassisch: Man muß fragen "Cui bono?", d.h. Wem nützt das?

Will man beispielsweise herausfinden, wer für die Propaganda und den Druck auf Frauen verantwortlich ist, erwerbstätig zu werden, muß man fragen, wer dafür ein Motiv hat. Da sieht man gleich viele Motive: Der Feminismus will aus ideologischen Gründen (wie man z.B. bereits bei Simone de Beauvoir nachlesen kann), daß die Frauen zur Erwerbstätigkeit gezwungen werden; der Staat will, daß die Frauen erwerbstätig sind, damit sie Steuern und Abgaben bezahlen und damit er in Kinderkrippen und Ganztagsschulen die Kinder indoktrinieren und zu unmündigen, staatshörigen Subjekten machen kann; die Wirtschaft will, daß die Frauen erwerbstätig sind, weil damit die Löhne sinken und billigere Arbeitskräfte zur Verfügung stehen. Damit hat man einige mögliche Täter gefunden. Weitere Untersuchungen müssen zeigen, wer von den möglichen Tätern tatsächlich tätig ist. Zweites Beispiel: Will man herausfinden, wer für die Arbeitslosigkeit verantwortlich ist, die offensichtlich verschwände, wenn Steuern und Lohnnebenkosten die Arbeit nicht exorbitant teuer machten, muß man fragen, wem die Arbeitslosigkeit oder die hohen Steuern und Lohnnebenkosten nützen. Drittes Beispiel: Will man herausfinden, wer für einen bestimmten Krieg verantwortlich ist, muß fragen, wer welchen Nutzen aus diesem Krieg zieht. Die Antwort auf die Cui-bono-Frage führt nicht immer direkt zum Täter, aber sie führt zu möglichen Tätern. Wie in der Kriminalistik gilt auch in der Politik: Es gibt keinen Täter ohne Motiv. Um herauszufinden, wer für ein bestimmtes Ereignis oder eine bestimmte Entwicklung verantworlicht ist, ist die Frage "Wem nützt das? Wer will das?" verlässlicher als die Äußerungen der möglichen Täter, der Politiker oder der Medien.

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